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Streichholzschachtel

Vielleicht kennst Du auch noch das Kinderspiel, bei dem wir früher mit einer Streichholzschachtel „fotografiert“ haben. Ein Spiel, das früher bei vielen Kindern sehr beliebt war.

 

Dabei ging es darum, all die schönen Dinge im Laufe des Tages einzufangen, mit Hilfe der Streichholzschachtel, die uns als eine Art Fotoapparat diente. Am Ende des Tages konnten wir dann, vor dem zu Bett gehen, die ganzen schönen Bilder nochmal „ansehen“ und damit die Ereignisse des Tages Revue passieren lassen. Natürlich waren es nur imaginäre Bilder, aber damit holten wir trotzdem, ganz intuitiv, die ganzen schönen Erinnerungen des Tages nochmal zurück.

 

Leider gehen uns als Erwachsene solche intuitiven Handlungen oft verloren, wir verlernen mehr und mehr auf unsere innere Stimme und unsere Impulse zu hören die wir als Kinder mit Leichtigkeit wahrgenommen haben.

 

Sätze wie „das Leben besteht nicht nur aus Spaß“ oder „das Leben ist kein Ponyhof“ (woher kommt eigentlich die Idee das es auch einem Ponyhof immer nur fröhlich zugeht?!) die viele Menschen schon in jungen Jahren zu hören bekommen – erwecken zudem fast den Eindruck, ein leichtes, glückliches und zufriedenes Leben wäre verboten. Führen vielleicht sogar dazu, dass viele Menschen sich gar nicht mehr trauen, glücklich zu sein und lieber in Ihrer Unzufriedenheit verharren.

 

Ich persönlich vertrete ja die These, dass es eine unserer Aufgaben auf Erden ist, viele verschiedene Gefühle kennen zu lernen, vielleicht umso mehr umso besser.

 

So wie es hell und dunkel, kalt und warm, schnell und langsam gibt, und alles davon seine Daseinsberechtigung hat. So ist auch jedes Gefühl in der jeweiligen Situation passend und richtig. Wenn ich einen Verlust erleide, ist ein trauriges Gefühl vermutlich sehr angebracht und nützlich. Die vorhandene Vielfalt an Gefühlen zu kennen und wahrzunehmen, und ihnen in den passenden Situationen einen Platz einzuräumen, ist wahrscheinlich sogar ausgesprochen gesund.

 

Denn so wie ich die Helligkeit nicht erkenne, wenn ich nie Dunkelheit gesehen habe, wie kann ich verstehen was Fröhlichkeit ist, wenn ich Traurigkeit nicht kenne?

 

Ich bin überzeugt, dass es möglich und vor allem erlaubt ist, ein facettenreiches, glückliches und erfolgreiches Leben zu führen. Und vielleicht sollten wir mal darüber nachdenken unsere Streichholzschachtel wieder hervorholen und dort - wie in einer kleinen Schatzkiste - all die Gefühle sammeln und aufbewahren die wir kennenlernen. Denn alles darf sein, es kommt darauf an, wie Du die Dinge siehst.

 

 

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