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Bevorzugtes Kind

Bevorzugtes Kind

Wenn ein Kind auf diese Welt kommt, ist es erstmal ein hilfloses kleines Wesen und noch ziemlich lange auf Hilfe, Fürsorge, Versorgung und Nähe angewiesen. Die Bezugspersonen - meist die Eltern - sind also überlebensnotwendig. Und so liegt es in der Natur der Sache, dass Kinder vom ersten Tag an alles tun was von Ihnen verlang oder erwartet wird, immerhin hängt das Überleben davon ab zu gefallen. Als Eltern ist uns manchmal gar nicht bewusst, was das für Erwartungen sind, die wir unbewusst kommunizieren und so passieren immer wieder diese Geschichten, die auf Miss- und Unverständnis aufbauen.

 

Gerade in Familien mit mehreren Kindern kommt es vor, dass ein Kind scheinbar bevorzugt wird. Und oft erlebe ich im Umfeld solch einer Familie, dass Außenstehende über dieses bevorzugte Kind herziehen. Ich möchte gar nicht glauben, dass diese erwachsenen, erfahrende Menschen, einem Minderjährigen mit derart schlechten Kommentaren, Wünschen und Prophezeiungen begegnen.

 

Situationen, in denen die Eltern vielleicht mit Geschwistern schimpfen, und das bevorzugte Kind grinsend oder unschuldig süß dreinblickend danebensteht - Solch ein Verhalten der Eltern führt beim Umfeld zu Unverständnis und Fassungslosigkeit. Und so erfährt manches bevorzugte Kind ein regelrechtes Mobbing von der Gesellschaft und das, obwohl - oder gerade, weil - es das tut was von ihm erwartet wird.

 

Denn was passiert hier eigentlich wirklich?

 

Dieses bevorzugte Kind ist genauso "Opfer" wir seine "benachteiligten" Geschwister. Von außen scheint es erstmal, als würde dieses Kind seine bevorzugte Rolle genießen. Das abweisende Verhalten, das dieses Kind vom näheren Umfeld erfährt, bringt die Eltern dazu, ihm noch mehr vermeintlichen notwendigen Schutz und Trost zu geben. Diesen braucht es ja scheinbar dringender, denn die anderen Geschwister werden ja liebevoll von der Gesellschaft behandelt. Diese missverständliche Kommunikation entwickelt sich immer weiter und es entsteht ein Desaster aus verletzten Gefühlen.

 

Betroffen sind hiervon alle in der Familie und im weitesten Sinne auch das Umfeld, denn dieses leidet ja sympathisch mit den Geschwistern und hegt negative Gefühle für deren Eltern, die ja augenscheinlich nur dieses bevorzugte Kind lieben.

 

Wie fühlt sich das denn wohl für jedes dieser Kinder an?

 

Dem einen Kind schenkt man negative Gefühle und missachtende Blicke, fördert damit, dass es Angst vor dieser Gesellschaft bekommt. Die Chancen stehen gut, dass es sich irgendwann zur Wehr setzt oder sich in die Isolation zurückzieht.

 

Das Geschwisterkind bekommt den Eindruck, dass es wohl ein zu bemitleidendes Geschöpf ist, das keine gute Familie hat. Dies nimmt dem Kind vielleicht die Sicherheit und das Vertrauen in das eigene zu Hause und es zweifelt an den eigenen Fähigkeiten.

 

  • Wäre es nicht so viel einfacher, wenn wir uns bewusst machen könnten, dass ein kleines bevorzugtes Kind kein böses Monster ist, sondern nur seine aufgezwungene Rolle perfekt ausführt.
  • Wenn wir erkennen könnten, dass Jeder Liebe, Vertrauen und Sicherheit möchte und es für Kinder und ihre Entwicklung wichtig ist, dies in ihrer Familie sowie in Ihrem näheren Umfeld zu erhalten.
  • Wenn wir versuchen zu verstehen, welche gut gemeinten Absichten hinter dem Verhalten und Handeln unserer Kinder zu finden ist.
  • Das Kinder der Spiegel unserer eigenen, unbewussten Erwartungen sind.

 

Es lohnt sich zu erkennen

das alles mehrere Seiten hat!

 

Text: Susanne Schemel-Weiß

 

 

 

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